Samstag, 24. Oktober 2015

Gossip | Lesung mit Karen Rose



Schon im Frühjahr habe ich erfahren, dass eine meiner Lieblingsthrillerautorinnen im Oktober zum Krimifestival nach München kommt: Karen Rose. Da sich diese Chance bestimmt nicht so bald wieder ergeben würde, musste ich da einfach hin!

Noch vor meinem Urlaub habe ich alles Notwendige gebucht und reserviert, sodass dem Vergnügen nichts mehr im Wege stand. Dachte ich zumindest, denn aufgrund der momentanen Grenzsituation hatte ich kurz vorher schon befürchtet, dass wir es nicht schaffen würden. Doch mit 3x Umsteigen und 1,5 Stunden längerer Fahrt sind wir am 21. Oktober gegen drei Uhr angekommen. Meine Schwester musste dabei als Begleitung herhalten.

Die Lesung fand um 20:15 Uhr im Hugendubel Fünf Höfe statt und war seit Wochen ausverkauft. Karen Rose wurde dabei vom Journalisten, Moderator und Literaturblogger Günter Keil, der durch den Abend führte und der Schauspielerin Floriane Daniel, die ihre deutsche Stimme war, begleitet und unterstützt.

Nach einer kurzen Einführung durch Günter Keil las Karen anfangs einen Absatz ihres neuesten Thrillers Dornenmädchen auf Englisch, bevor Floriane Daniel Teile aus den Kapiteln 1 und 3 auf Deutsch las. Es war ein Genuss, ihr zuzuhören, denn sie hat die Lesung sehr lebendig und eindringlich gestaltet und mich so nur noch neugieriger auf „Dornenmädchen“ gemacht.

Zwischen den Lesungen beantwortete Karen immer wieder die Fragen, die ihr vom Moderator gestellt wurden und die interessante Einblicke in ihr Berufs- und Privatleben boten. So erzählte sie, dass sie die 880 Seiten innerhalb von drei Monaten, als sie sich nach einem Reitunfall auskurieren musste, geschrieben hat (!!). Dabei handelt es sich um reine Schreibzeit; Korrekturen etc. nicht eingeschlossen. Ihre Romane sind trotz Kürzungen generell sehr umfangreich, doch bei diesem hier gab es einfach keine Stelle, die weggestrichen werden konnte/musste. Sie ist aber auch sonst generell diszipliniert, wenn es ums Schreiben geht.

In „Dornenmädchen“ kehrt die Psychotherapeutin Faith in das große Herrenhaus in Cincinnati/Ohio zurück, das ihr seit ihrer Kindheit Alpträume beschwert hat. Hier will sie sich vor einem Stalker verstecken und einen Neuanfang wagen. Auf die Frage, weshalb sie denn diesmal Cincinnati als Handlungsort gewählt hat, berichtete Karen, dass sie lange Zeit in der Stadt gewohnt hat: dort hat sie geheiratet und ihre beiden Töchter großgezogen. Es war daher wie ein Nachhausekommen für sie. Die Familie hatte allerdings nicht in einem Herrenhaus gelebt. Die Inspiration dafür fand sie bei ausgiebigen Bild-Recherchen im Internet. 

Faiths Stalker ist ein ehemaliger Patient, der schon mehrmals versucht hatte, sie umzubringen. Leben Psychotherapeuten wirklich sogefährlich? Einige Szenen / Einzelheiten ihrer Bücher beruhen auf Begebenheiten, die Karen, ihre Familie oder Freunde erlebt haben. So auch diese hier: 1999 arbeitete ihr Ehemann als Psychotherapeut, der Sexualstraftäter nach ihrer Entlassung behandeln musste. Darunter war ein knapp 18-Jähriger, der bereits drei Vorstraften wegen Kindesmissbrauchs hatte und der wegen eines Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen wieder in Haft musste. Diesmal sollte er die Strafe allerdings nicht mehr in einer Jugendstrafanstalt, sondern in einem richtigen Gefängnis absitzen. Das wollte er verhindern und legte daher im Keller der Praxis, in der Karens Ehemann arbeitete, ein Feuer. Damit wollte er die Angestellten aus dem Gebäude treiben, um sie dann zu verletzen. Allerdings verbarrikadierten sich die meisten in ihren Büros. Karens Ehemann, der während der Schulzeit Wrestler gewesen war, gelang es, den viel größeren Jugendlichen zu überwältigen, ehe er jemanden verletzen konnte. Bei dem anschließenden Prozess bedrohte dieser die gesamte Familie Rose, sodass sie die Stadt verließen und 1000 Meilen weit fortzogen. Heute leben sie in Florida.

Karen selbst bekommt von ihren Büchern keine Alpträume. „I sleep like a baby“, aber sie hofft, dass ihre Leser welche bekommen. Ihre Mutter ist deshalb besorgt, sie kann nicht ganz nachvollziehen, wie ihre Tochter auf solche grässlichen Sachen kommt. Karen hat immer neue Ideen und ständig Stimmen im Kopf, die eigentlich nur einmal zur Ruhe gekommen sind, als sie für Recherchen am Schießstand war. Eine echte Leiche hatte sie nur Trauerfeiern mit offenem Sarg gekannt, bis sie zur Nachforschung in ein Leichenschauhaus ging. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin und deren Ehemann, der ihnen als Notarzt den Zugang erleichtert hatte, hatte sie sich eigentlich nur das Labor ansehen wollen. Dabei landete sie allerdings zufällig bei einer Autopsie. Der Anblick der Leiche, die bei einem Autounfall gestorben war, hat sie so schockiert, dass sie beinahe in Ohnmacht gefallen wäre.
 
Deacon Novak, der männliche Hauptcharakter in „Dornenmädchen“ leidet an einem seltenen genetischen Defekt. Da ich nicht mehr dazu verraten will, ohne die Geschichte zu spoilern,  nur so viel dazu: In Karen Rose‘ Verwandtschaft ist diese Erkrankung ebenfalls verbreitet und auch sie selbst ist davon betroffen.

Der Moderator sprach Karen auch auf das „Surprise Blind Date“ an, bei dem sie ihren Ehemann kennenlernte. Ihre beste Freundin hatte sie verkuppeln wollen, aber das hatte beide Parteien abgelehnt. Karen war als Teenager schüchtern gewesen, doch ihre Freundin hatte nicht locker gelassen. Als diese Geburtstag hatte, lud sie neben den beiden zwar alibihalber auch andere ein, auf die Party kamen allerdings nur Karen und er. Da beide kein Auto hatten und auf ihre Freundin als Fahrerin angewiesen waren, mussten sie den Abend über sich ergehen lassen und begannen wohl oder übel ein Gespräch. Dabei war rasch klar, dass sie sich sympathisch fanden, gleichzeitig waren sie sauer, dass ihre Freundin recht gehabt hatte. Um sich an ihr zu rächen, erzählten sie ihr drei Monate lang nicht, dass sie dateten. Bis heute sind sie alle befreundet; die Frauen waren sogar die jeweiligen Brautjungfern auf ihren Hochzeiten. Mittlerweile sind Karen und ihr Mann 35 Jahre lang ein Paar; 30 davon verheiratet. Ihr Geheimnis? Viel reden und den Mann den Haushalt machen lassen. Ihr Ehemann kocht und erledigt das Wäschewaschen etc. Neben den beiden Töchtern haben sie noch zwei Hunde - Loki und Freya -  und eine Katze namens Bella (Nicht nach der Figur aus „Twilight“, sondern nach dem Gift "Belladonna". Immerhin ist sie Thrillerautorin! ^^)  

Rose ist übrigens ihr zweiter Vorname und hat in ihrer Familie Tradition.

Als die Lesung und die Gesprächsrunde vorbei waren, stand Karen Rose noch entspannt und geduldig für Autogramme, Fotos etc. bereit. Natürlich konnte ich da nicht widerstehen und fand dabei noch heraus, dass ihre Tante ebenfalls Doris heißt ;)

Mein Fazit: Der lange Anfahrtsweg hat sich definitiv ausgezahlt, denn Karen Rose gehört auf jeden Fall zu den unterhaltsamsten, sympathischsten Autorinnen, die ich bisher kennengelernt habe. Dadurch sind auch ihre Geschichten für mich noch lesenswerter geworden. Nicht, dass ich nicht schon alle ihre bisher erschienenen Bücher gelesen hätte… :D


Kommentare:

  1. Oh toll...eine Lesung mir Karen Rose! Ich mag ihre Thriller sehr und auf "Dornenmädchen" freue ich mich schon!
    Liebe Grüße
    Martina

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  2. Man merkt sofort wie sehr dir die Lesung gefallen hat und ganz ehrlich - so ein Abend wäre wohl jedem die lange Hin- und Rückfahrt wert gewesen. So ein Erlebnis vergisst man nie und Karen Rose hört sich nach deiner Erzählung so sympathisch an, auch wenn man ihre Bücher bisher nicht kannte, bekommt man direkt Lust sie zu lesen. Du liest ja grade auch ein Buch von ihr oder? Hat sich das Lesen durch dieses Treffen bei dir verändert? Hast du das Gefühl sie in Gedanken zu hören? So ging es mir ja bei manchen Autoren, bei einigen war das toll, bei anderen wollte ich dieses Gefühl schnell wieder loswerden ;) und das Foto mit euch beiden ist auch toll geworden! Schön, dass sie sich noch so Zeit genommen hat :)
    Liebe Grüße, Melli

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    1. Hallo!

      Ja, bin gerade mitten drin im 890 Seiten Wälzer :D ♥ Und du hast Recht, jetzt wo sie einige Hintergrundinformationen zur Geschichte Preis gegeben hat, liest man das Ganze mit anderen Augen. V.a. weil man jetzt die Parallelen zu ihr und ihrer Familie kennt. Leider hat der Abend nur knapp 2 Stunden gedauert, ich hätte ihnen noch ewig zuhören können. Es hat sich auf jeden Fall ausgezahlt und ich bin froh, dass wir die Reise doch gemacht haben; hätte allerdings noch gut einen Tag in München verbringen können, um auch ein bisschen was zu sehen. Muss demnächst wieder mal raus, wenn sich die Lage beruhigt hat :)

      Liebe Grüße, Doris

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