Montag, 19. Oktober 2015

Review | Loreth Anne White - A Dark Lure


Twelve years ago, Sarah Baker was abducted by the Watt Lake Killer and sexually assaulted for months before managing to escape. The killer was caught, but Sarah lost everything: her marriage, her child, and the life she loved.

Struggling with PTSD, Sarah changes her name to Olivia West and finds sanctuary working on Broken Bar Ranch. But as her scars finally begin to heal, a cop involved with her horrific case remains convinced the Watt Lake Killer is still out there. He sets a lure for the murderer, and a fresh body is discovered. Now Olivia must face the impossible - could the butcher be back, this time to finish the job?

As a frigid winter isolates the ranch, only one person can help Olivia: Cole McDonough, a writer, adventurer, and ranch heir who stirs long-dormant feelings in her. But this time, Olivia’s determination to shut out her past may destroy more than her chance at love. It could cost her her life.

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Sarah Baker ist eine Kämpferin. Vor 12 Jahren hat sie die Hölle durchlebt, sie konnte sich aber aus den Händen des Serienkillers, der sie ein halbes Jahr lang in seiner Gewalt hielt, befreien. Zwar wurde der Täter gefasst und verurteilt, doch ihre Ehe ging in die Brüche und ihre Tochter wurde zur Adoption freigegeben. Unter neuem Namen lebt sie nun als Managerin und Mädchen für alles auf der Broken Bar Ranch. Doch es stehen Veränderungen bevor: der Besitzer der Ranch ist todkrank; das Grundstück soll verkauft werden. In diesem Winter treffen mehrere Neuankömmlinge ein: ein Cop mit seiner Tochter, der Erbe der Ranch und der wirkliche Killer. Und Olivia muss sich ein letztes Mal der Gefahr stellen, um die Chance auf eine Zukunft zu haben.

Eine kleine Warnung vorweg: Intensiv, spannend und mit einem düsteren Setting ausgestattet, ist „A Dark Lure“ ein wahrer Pageturner. Wer etwas Leichtes, Lockeres erwartet ist hier fehl am Platz. Die Geschichte wird aus vielen Perspektiven erzählt: Neben der von Sarah/Olivia und Cole, sind das noch jene des Killers, des Cops und dessen Tochter. Das ist vielleicht für manche störend, ich mochte den Einblick in die verschiedenen Sichtweisen. Denn die verschiedenen Personen sind alle auf vielschichtige, bewusste Art und Weise miteinander verbunden.

Sarah/Olivia hat wohl das Schlimmste erlebt, was einer Frau passieren kann: vergewaltigt, misshandelt, in der Gefangenschaft in ständiger Angst lebend. Und der Leser erfährt jedes Detail darüber. Doch sie hat es geschafft, was anderen nicht gelungen ist: Sie konnte dem Killer entkommen; sie hat überlebt. Doch diese Zeit hat Spuren hinterlassen: nicht nur an ihrem Körper und ihre Psyche, sondern auch bei ihrer Familie. Allein und verzweifelt ist sie kurz davor, sich aufzugeben, als sie gemeinsam mit Ace, der ebenfalls Schlimmes erlebt hat, auf der Broken Bar Ranch Zuflucht findet. Aufgrund ihrer Vergangenheit ist sie verschlossen und zurückhaltend, doch sie kämpft darum, die Verantwortung für ihr neues Leben zu übernehmen. Alles in allem ist Olivia eine bewundernswerte, starke Frau, die nicht an ihrem Schicksal zerbrochen ist.

Cole McDonough hat ein schlechtes Verhältnis zu seinem sterbenskranken Vater; gibt ihm dieser doch die Schuld am Tod von Coles Mutter und Bruder. Das ist auch der Grund, weshalb er die Ranch vor Jahrzehnten verlassen hat und seitdem als Kriegsreporter und Abenteurer immer wieder am Rand des Abgrunds balanciert. Erst der unverschämte Anruf einer Frau lässt ihn wieder nachhause zurückkehren. Er selbst versinkt in dieser Zeit in Selbstmitleid; erst Olivia und ihre geheimnisvolle Ausstrahlung sowie sein Vater bringen ihn dazu, nicht an sich zu denken. Die beiden Hauptcharaktere sind zwei auf unterschiedliche Art und Weise verletzte Menschen, deren Interaktion authentisch und interessant zu verfolgen war.

Auch der Cop und seine Familie sind auf eine bestimmte Art und Weise mit Olivia und ihrer Vergangenheit verbunden. Wie es letztlich für sie ausgeht, ist mir ans Herz gegangen.
Generell immer wieder spannend ist die Sicht- und Denkweise eines sadistischen, soziopathischen Killers. Die Rechtfertigung für die Taten ist natürlich nicht immer nachvollziehbar, aber aufschlussreich.

Immer wenn ich dachte, jetzt kenne ich mich aus und weiß, was los ist, gab es eine für mich unerwartete Wendung; es gab nur ein paar wenige Details, die ich erahnen konnte. Die Romantik spielt in „A Dark Lure“ eine eher untergeordnete Nebenrolle, daher war ihre langsame Entwicklung durchaus angebracht. Dass Olivia überhaupt wieder jemanden an sich heranlassen kann, ist allein schon ein Wunder. Es geht meiner Meinung nach mehr darum, sich selbst so zu akzeptieren wie man ist; die Vergangenheit aufzuarbeiten und eine bessere Zukunft zu schaffen.

Das wirklich spannungsgeladene Ende war noch mal das letzte Highlight. Was mir allerdings fehlte, war ein Epilog. So endet die Geschichte zwar passend, aber für mich, die abgerundete vollkommene Enden liebt, etwas abrupt.

„A Dark Lure“ ist eine düstere Geschichte über das Überleben und Heilen. Die Charakterentwicklung und die fesselnde Handlung lassen das Buch nie langweilig werden, sodass alle, die gerne Thriller mit einem Hauch Romantik und einer bedrohlichen Atmosphäre lesen, bestimmt auf ihre Kosten kommen.  




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