Review | Joss Ware / Colleen Gleason - Die längste Nacht


Alles, was sie kannten, gibt es nicht mehr...
Vielleicht sind die fünf Männer, die aus den Ruinen der Verwüstung auftauchen, die letzte Hoffnung der Menschheit, denn sie besitzen außergewöhnliche neue Fähigkeiten. Aber allein können sie in dieser verwüsteten Welt nicht überleben.

Wenn Dr. Elliott Drake nach einer fünfzigjährigen Zeitreise aus einer Höhle herausklettert, ist die Welt, die er kannte, verschwunden. Städte sind von einem Dschungel überwuchert, und was von der Zivilisation noch übrig ist, wird von unsterblichen Wesen, die mysteriöse Kristalle tragen, unterdrückt. Aber was noch beunruhigender ist: Elliott hat eine außergewöhnliche Fähigkeit erworben - die Kraft zu heilen. Aber auch diese Gabe kann in einer Welt, der die Technologie und Infrastruktur der Vergangenheit fehlen, ein zweischneidiges Schwert sein. Jade, die von den unsterblichen Wesen gefangen gehalten wurde, lebt schon seit Jahren im Untergrund. Aber jetzt ist sie fest entschlossen, sich dem Kampf gegen die Kontrolle ihrer ehemaligen Entführer anzuschließen. Sie vertraut niemandem... aber als sie Elliott trifft, beginnt er ihren Abwehrmechanismus und die Mauern, die sie so sorgfältig um sich herum aufbaute, niederzureißen. Doch der mysteriöse Arzt scheint selbst ein paar dunkle Geheimnisse zu hüten. Jade setzt ihr Leben aufs Spiel, um mit Elliott eine Gruppe junger Menschen zu retten - aber wird sie ihm ihr Herz anvertrauen können? Und wird Elliott in dieser neuen, verwüsteten Welt einen Platz für sich selbst - eine Heimat - finden? 

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2010 macht Dr. Elliott Drake mit seinen beiden Freunden, dem reichen Industriellen Quent und dem Sanitäter/Feuerwehrmann Wyatt, sowie den zwei lokalen Guides Fence und Lenny einen Trip nach Sedona, wo sie Höhlen erforschen wollen. Da gibt es ein folgenschweres Erdbeben und als die fünf wieder erwachen, sind 50 Jahre vergangen und die Welt ist nicht mehr, wie sie einmal war.

„Die längste Nacht“ beginnt sechs Monate nach ihrem Erwachen. Sie haben Simon, einen anderen Überlebenden, bei sich aufgenommen und Elliott und Quent haben bemerkt, dass sie bestimmte „Kräfte“ besitzen. So kann Elliott Menschen heilen, muss allerdings feststellen, dass dies nicht nur eine Gabe, sondern auch ein Fluch ist. Denn sobald er jemanden heilt, trägt er dessen Krankheit/Verletzung in sich. Sie breitet sich in ihm aus, was zu seinem Tod führen kann, wenn er sie nicht durch Berührung an jemand anderen weitergibt.  

Auch die uns bekannte Welt ist zerstört. Es gibt keine modernen Annehmlichkeiten mehr: keine Telefone, Autos, Shopping Malls, Elektrizität oder ähnliches. Nur wenige Menschen, die den „Wechsel“, wie die Katastrophe genannt wird, erlebt haben, leben noch. Der Großteil der Menschen ist jünger als 50 Jahre. Die Macht liegt in den Händen offensichtlich Unsterblicher,  der „Fremden“. Was genau diese planen, bleibt bislang im Dunkeln. Es hat auf jeden Fall etwas mit „Atlantis“ zu tun, das im Pazifik liegen soll. Außerdem gibt es noch die „Gangas“ – zombieähnliche Gestalten, die nachts auftauchen, Menschen jagen und ständig „R…uuuth“ stöhnen.

Die Männer treffen auf eine Gruppe Teenager, die von Gangas attackiert werden. Sie helfen ihnen und erhalten dabei Unterstützung von einer jungen Frau namens Jade. Elliott ist sofort hin und weg von der mutigen, schönen Unbekannten. Kann sie ihnen helfen und erklären, was damals geschehen ist? Er ist sich nämlich nicht sicher, ob er in einer Welt wie dieser überhaupt leben will bzw. weshalb sie immer noch am Leben und in den 50 Jahren ihrer Ohnmacht nicht gealtert sind.

Colleen Gleasons World Building fasziniert mich. Zwar muss man aufpassen, um bei dieser komplexen Welt, all den Fakten und Namen nicht den Überblick zu verlieren, doch sie hat mich auf jeden Fall in ihren Bann gezogen. Ist die Apokalypse von Menschen geschaffen worden? Oder vielleicht von Aliens? Was wollen die Bösen? Und wer sind die Guten? Interessant finde ich, wie die Menschen ohne Produkte, die für uns eigentlich selbstverständlich sind, leben; wie sie neue Sachen erfinden bzw. Altes zweckentfremden. Wie sie sich an den Umstände anpassen, wobei viele allerdings gar nicht wissen, was ihnen fehlt, Für Elliott und seine Freunde, die ihre Familien verloren haben, ist es hingegen sehr schwer, sich anzupassen. Doch auch Jades Freunde Lou und Theo Waxnicki, Computergenies, die eine Widerstandsgruppe aufbauen wollen, sind Überlebende des „Wechsels“.

Da es hier so viel zu erzählen gibt und die ganze Welt erst einmal erklärt werden muss, bleibt in Band 1 die Romantik etwas im Hintergrund. Jade und Elliott passen perfekt zueinander, daher wäre es schön gewesen, mehr Momente zwischen den beiden zu erleben.

Jade wurde drei Jahre lang von den „Fremden“ als Sklavin gehalten, sodass sie Schwierigkeiten hat, Kontrolle ab- und ihrer Anziehung zu Elliott nachzugeben. Auch für Elliotts besitzergreifende Seite war sie anfangs noch nicht bereits, doch als die beiden ihre Differenzen zur Seite geschoben haben, war klar, dass sie zusammengehören und ein Happy End verdienen.

Elliott ist sexy, heldenhaft und mutig. Er hat seine gesamte Familie verloren, was ihm zu schaffen macht. Seine neue Gabe gefällt ihm anfangs, denn er lebt, um zu helfen, allerdings bringen ihn die Nebenwirkungen mehr als einmal in Lebensgefahr.

Doch die beiden sind nicht das einzige Paar in „Die längste Nacht“. Quent hat ein heißes Zusammentreffen mit Zoe, einer Außenseiterin und Kämpferin. Was aus den beiden wird, erfährt man aber erst in Band 3.

„Die längste Nacht“ ist der Auftakt zu einer spannenden, einfallsreichen Endzeitserie mit paranormalen Elementen, Romantik und viel Action. Viele Fragen blieben unbeantwortet und ich bin schon neugierig, wie sich letzten Endes alles zusammenfügen wird, denn der Kampf gegen die „Fremden“ hat in Band 1 gerade erst begonnen. Dieser „Atlantis“-Sache gegenüber bin ich noch etwas skeptisch, ich hoffe, die damit eingeschlagene Richtung wird nicht zu unrealistisch (ja, ja, ich weiß – Zombies sind sehr realistisch). Joss Ware alias Colleen Gleason hat mich mit ihrem Schreibstil auf jeden Fall überzeugt.




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