Dienstag, 21. Oktober 2014

Review | Samantha Young - India Place. Wilde Träume



In nur einer einzigen Nacht erlebte Hannah Nichols den Himmel auf Erden – mit Marco, ihrer großen Jugendliebe. Doch am nächsten Morgen war er verschwunden und ihr Herz gebrochen. Fünf Jahre sind seitdem vergangen. Trotzdem ist sie nicht darüber hinweggekommen. Hannah weiß nur eins: Sie wird ihm niemals verzeihen. Hannah und Edinburgh zu verlassen war der größte Fehler seines Lebens. Marco D'Alessandro bereut ihn jeden Tag. Endlich bietet sich eine Chance, Hannah zurückzugewinnen. Aber die Fehler aus der Vergangenheit wiegen schwer, und für eine gemeinsame Zukunft muss er alles riskieren …

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Fünf Jahre nach den Geschehnissen von „Jamaica Lane“ folgen wir nun Hannah Nichols, Bradens Halb- und Ellies Schwester. Der Teenager aus den früheren Bänden ist mittlerweile erwachsen geworden. Mit 22 arbeitet sie als Englischlehrerin, abends unterrichtet sie außerdem noch ehrenamtlich Analphabeten. Hannah ist Single; sie datet nicht, seitdem ihre große Liebe Marco sie vor fünf Jahren nach ihrem ersten Mal einfach sitzengelassen hat und in die USA zurückgegangen ist. Die Folgen dieser Nacht haben sie traumatisiert, sodass sie sich auch von ihrer Familie und Freunden zurückgezogen hat. Nur Cole, Jos kleiner Bruder und Hannahs bester Freund, hat wirklich Zugang zu ihr. Eine überraschende Begegnung mit Marco bringt Ängste und Gefühle, die sie noch immer für ihn hegt, wieder an die Oberfläche. Hannah geht auf Abstand; will sich nicht noch einmal auf ihn einlassen. Doch Marco gibt diesmal nicht so leicht auf und möchte Hannah beweisen, dass er sich geändert hat. Doch die Geheimnisse zwischen ihnen drohen diesen Wunsch zunichte zu machen.

Da man Hannah in den früheren Bänden bereits als Teenager kennenlernt, war ich anfangs unsicher, ob ich sie nicht immer noch als dieses kleine Mädchen sehen würde. Doch Samantha Young hat es geschafft, sie reif und erwachsen zu zeigen. Das liegt wohl auch an dem Drama, das ihre behütete Teenagerzeit beendet hat. Seit diesem Erlebnis ist Hannah zerbrochen; der Schmerz hält sie auch nach fünf Jahren noch immer im Griff. Sie ist nicht mehr der unbeschwerte Teenager, den ich in den früheren Teilen mochte, jetzt ist sie einsam, zeitweise bitter und nicht immer liebenswürdig. Bei einigen Dingen, die sie durchgemacht hat, habe ich mit ihr mitgelitten.

Marco war als Teenager ein Draufgänger, der es nicht leicht hatte. Es gab Schwierigkeiten sowie wenig Zuneigung und Wärme von Seiten der Familie, die ihn nach einem Zwischenfall zu Verwandten nach Schottland schickte. Auch in Europa wurde er nicht wirklich mit offenen Armen aufgenommen. Nur Hannah, mit der er sich langsam anfreundete, akzeptierte ihn vorbehaltlos. Langsam kamen sie sich näher, doch die Zweifel und Unsicherheiten, die ihm als Junge eingeimpft worden waren, verhinderten eine Beziehung. Die Gründe, warum er Hannah damals verließ, sind meiner Meinung nach schwach. Er hätte auch einfach mit ihr reden bzw. in Kontakt bleiben können. Fünf Jahre später, als er überraschenderweise wieder auf sie trifft, ist er stärker und reifer geworden. Er hat seine Selbstzweifel überwunden und will Hannah diesmal nicht aufgeben. Jetzt, wo er weiß, was er verdient hat, lässt er nicht locker; gibt alles, um die verletzte Hannah von einer gemeinsamen Zukunft zu überzeugen. Sein Verhalten von damals ist inakzeptabel, die Gründe wie gesagt idiotisch. Jede andere hätte ihn nach ihrem Wiedersehen nicht einmal zu Wort kommen lassen, doch Hannah liebt ihn trotz aller Vorkommnisse natürlich immer noch.

Obwohl ich Hannahs Zweifel und ihren Schmerz verstehen kann, war mir die „Ich will dich, obwohl ich dich nicht wollen will“-Sache ein wenig zu langatmig. Da hätte man trotzdem früher einen Strich unter die ganze Sache ziehen können, egal, wie sie sich auch entschieden hätte. Die  beiden Hauptcharaktere waren grundsätzlich sympathisch, obwohl ich mit ihren Entscheidungen und ihrem Verhalten nicht immer einverstanden war.

India Place“ gefällt mir wirklich gut, ich bin aber nicht so begeistert wie von  den ersten drei Bänden. Irgendetwas fehlt mir. Vielleicht liegt es auch daran, dass die ersten drei Bücher zur selben Zeit spielen und hier doch ein relativ großer Sprung in die Zukunft geschehen ist. Das stellt einen gewissen Bruch in der bisherigen Reihe dar. Am Anfang werden hier noch einmal die zahlreichen Personen und ihre Verbindung zueinander vorgestellt – das ist für Neueinsteiger essentiell (wobei ich raten würde, die Reihe von vorne zu beginnen), für die anderen dürfte es eventuell lästig sein. Ansonsten ist es natürlich großartig, die drei Pärchen der früheren Bände und ihre Kinder wiederzutreffen und mitzuerleben, wie sich ihre Beziehungen weiterentwickelt haben.

India Place“ beinhaltet eine Menge emotionales Drama: verletzte Gefühle, Schmerz, Bedauern und Geheimnisse. Letztere kristallisierten sich für mich ziemlich schnell heraus. Gleichzeitig ist Hannahs und Marco Geschichte schön geschrieben, realitätsnah und glaubwürdig. Das Leben und auch die Liebe sind nicht immer einfach und jeder hat eine zweite Chance verdient.

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