Review | Sandra Brown - Eisige Glut


 

Albträume und Schlaflosigkeit sind die ständigen Begleiter des Journalisten Dawson Scott. Bis er von einem Fall erfährt, der zur Story seines Lebens werden könnte: Ein Mann soll einen grausamen Doppelmord an seiner Frau und deren Geliebten verübt haben. Scott erhält einen entscheidenden Hinweis: Eines der Opfer, Jeremy Wesson, soll der Sohn eines Terroristenpaares sein, das nie gefasst wurde. Auf eigene Faust beginnt Scott zu ermitteln und versucht, über die attraktive Amelia Nolan, Jeremys Exfrau, an Informationen zu gelangen. Was er schließlich aufdeckt, ist mehr als erschreckend...

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Jeremy Wesson ist tot. Ermordet vom Ehemann seiner Geliebten und an die Hunde verfüttert. Von seiner Exfrau Amelia hatte er sich bereits zuvor entfremdet, als aus dem liebevollen Ehemann und Vater ein an Alpträumen leidender, aggressiver Mann geworden war. Dawson Scott ist gerade erst aus dem Nahen Osten zurückgekehrt und soll nun auf die Bitte seines Patenonkels Healy, eines ehemaligen FBI-Agenten, hin von der Verhandlung berichten. Er tut es widerwillig, doch als er Amelia zum ersten Mal als Zeugin im Gerichtsverfahren sieht, muss er sie kennenlernen. Nicht nur um Informationen zu beschaffen, sondern auch um mehr über sie zu erfahren. Anfangs ist die junge Frau abweisend; sie will ihre Söhne schützen und nicht, dass die Geschichte in einem Artikel ausgeschlachtet wird. Als sie von Healys und Dawsons Verdächtigungen erfährt, wird ihr allerdings klar, dass viel mehr hinter der ganzen Sache steckt als nur der Mord an Jeremy. Die Hintergründe sind viel erschreckender und das große Ganze viel weitreichender als anfangs zu erahnen ist.   

Dawson Scott ist ein typischer Sandra Brown-Held wie ich ihn auch in „Kalter Kuss“ beschrieben habe. Er ist ganz und gar nicht perfekt, mit Fehlern und Makeln. Sein Job als Kriegsreporter hat seinen Tribut gefordert; er leidet an PTBS, greift zu Alkohol und Tabletten, um die Erinnerungen auszulöschen. Doch gerade dieses Nicht-Perfekt-Sein macht ihn für mich so interessant.

Amelia Nolan hingegen hat keine besonderen Laster oder Geheimnisse. Sie versucht einfach nur, ihr aus der Bahn geratenes Leben wieder auf die Reihe zu bekommen und ihren Söhnen, die schon so viel durchgemacht haben, eine gute Mutter zu sein, was sie auch ist. Sie hat stets zu Dawson gehalten, auch als sich dieser zurückziehen wollte; war mitfühlend und rational denkend. Eine schöne, bemerkenswerte Heldin.  

Jeremy Wesson hat kein Mitleid verdient. Trotzdem hat Dawson genau die richtigen Worte gefunden: „Und ja er tat mir leid. Weil auch er ein Opfer war.“ (Seite 430). Und als es zu Ende ging, hat Dawson einmal mehr bewiesen, dass er ein guter Mann ist. Ebenso scharf grenzt die Autorin ihre Bösewichte ab. Dieser hier ist wohl einer der schlimmsten Soziopathen, die sie bisher aufs Papier gebracht hat. Für die Dinge, die er gesagt und getan hat, hätte ich ihn am liebsten eigenhändig umgebracht.

Jede/r Autor/in hat seinen/ihren eigenen Stil. Sandra Brown gibt immer gerade so viel von der Handlung preis, dass die Neugier des Lesers befriedigt ist. Und gerade wenn man glaubt, der Geschichte folgen zu können; dass alle losen Fäden befriedigend verknüpft sind, gelingt es der Autorin mit einem weiteren überraschenden Kniff; einer weiteren unerwarteten Enthüllung noch einmal Spannung in die Geschichte zu bringen. Auch in „Eisige Glut“ verbindet sie Menschen und Ereignisse aus Vergangenheit und Gegenwart so lückenlos, dass ich keine „plot holes“ entdecken konnte. Die Spannung wird dabei sorgfältig aufgebaut und bleibt unvorhersehbar. Auch die Nebencharaktere wie die Healys und Glenda sind nicht nur schöne, notwendige Beigabe, sondern tragen einen bedeutenden Teil zur Geschichte bei. 

Wie ihre Charaktere sind auch Browns erotischen Szenen nicht „perfekt“ sondern ungeschönt und realistisch. In „Eisige Glut“ gibt es keine „unangenehm-peinliche“ Sexszenen (etwa in „Ewige Treue“); es braucht lange Zeit nicht einmal den eigentlichen Akt, um die schwelende sexuelle Spannung zwischen Dawson und Amelia greifbar zu machen. Das schaffen schon die wenigen sinnlichen Küsse und das angedeutete Verlangen. Und als es dann wirklich so weit ist, ist es erotisch und spontan. 

Ich bin seit Jahren ein großer Sandra Brown-Fan (zumindest ihrer Thriller) und auch mit „Eisige Glut“ hat sie mich nicht enttäuscht. Ein solider romantischer Thriller voller Irrungen und Wirrungen, der keine Langeweile aufkommen lässt. Im Gegenteil, ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen und kann es kaum erwarten, etwas Neues von ihr in die Finger zu bekommen.

Ein Lob auch an den Verlag, dem eine wirklich gute Übersetzung gelungen ist. Ich hatte gar nichts daran auszusetzen, obwohl ich Übersetzungen ja sonst eher kritisch betrachte und meist lieber beim Original bleibe.

Vielen Dank an blanvalet und das Bloggerportal für die Bereitstellung des Leseexemplars . (Autogramm und Lesezeichen sind meins)


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