Donnerstag, 15. Januar 2015

Review | Jessi Kirby - Der Soundtrack meines Lebens



Für Honor bricht eine Welt zusammen, als der wichtigste Mensch in ihrem Leben stirbt: Ihr Bruder Finn fällt in Afghanistan. Sein Geschenk zu Honors Schulabschluss trifft kurz nach der Todesnachricht ein – Konzertkarten für das Abschiedskonzert der Sängerin, die die Geschwister ein Leben lang mit ihrer Musik begleitet hat. In Finns Auto startet Honor einen Roadtrip quer durch die USA, begleitet von Rusty, Finns chaotischem besten Freund. Der Trip erweist sich als eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Bald fliegen zwischen den beiden die Fetzen, doch je länger sie unterwegs sind, desto mehr verwandeln sich diese in Funken…

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Finn ist tot. Gefallen im Nahen Osten. Zurück bleibt ein Brief, der seine Schwester Honor erst nach seinem Tod erreicht. Darin befinden sich unter anderem zwei Karten für das Abschiedskonzert ihrer Lieblingssängerin mit der Bitte, Kyra Kelly doch anschließend zu erzählen, wie verliebt er in sie sei. Honor ist nach Finns Tod am Boden zerstört. Nachdem ihre Eltern bei einem Unfall gestorben waren, hatte es nur mehr sie beide und ihre Tante Gina gegeben. Honor und Finn gegen den Rest der Welt. Und natürlich Rusty, Finns besten Freund, mit dem er sich allerdings über seine Verpflichtung für die Army zerstritten hatte. Nun will Honor ihrem Bruder die letzte Ehre erweisen und seinen Wunsch erfüllen. Deshalb setzt sie sich in seinen alten Chevy Impala und macht sich heimlich und in Begleitung von Rusty auf den Weg nach Los Angeles. Der Roadtrip wird allerdings zu einer Selbstfindungsreise.

„Der Soundtrack meines Lebens“ ist eine Geschichte über Trauer, Verlust, Freundschaft und Geschwisterliebe. Wie in „Dein eines, wildes, kostbares Leben“ versteht Jessi Kirby es wie keine andere, Ernsthaftigkeit in ein Jugendbuch zu bringen. Es gibt zwar nur wenige Orte, die Rusty und Honor auf ihrem Roadtrip besuchen, doch diese Landschaften und Begegnungen sind schön und detailliert beschrieben. Die beiden erleben Abenteuer und finden zu sich selbst, obwohl sie sich schon ihr ganzes Leben kennen.

Gerade deshalb ist es schade, dass ich mich weder mit Rusty noch mit Honor verbunden gefühlt habe, obwohl ich gerne über ihr Abenteuer gelesen habe. Auch die Anziehung zwischen ihnen kann ich nicht ganz nachvollziehen. Da das Buch aus Honors Sicht geschrieben ist, bleibt Rusty vollkommen unnahbar und ausdruckslos. Bzw. das, was man über ihn erfährt, ist nicht gerade positiv: er trinkt und behandelt Honor wie ein Kind, auch sticht er als Hauptperson nicht wirklich hervor.

Auch über Honor erfährt man nicht wirklich viel. Sie fühlt sich seit Finns Tod einsam und allein, liebt Kyra Kelly, hat nie verstanden, warum ihr Bruder zu den Marines gegangen ist, was sie ihm teilweise auch übelgenommen hat und hat eine beste Freundin namens Lilha. Alles andere - auch der Grund, weshalb sie Rusty, den sie seit einem Jahr nicht mehr gesehen hat, überhaupt mit auf ihre Reise nimmt - bleibt im Dunkeln. Die beiden scheinen sich anfangs nicht einmal besonders zu mögen.

Das Ende ist ein wundervoller Abschied von Finn, allerdings ist die Sache zwischen Honor und Rusty - vor allem wegen seiner Reaktion - einfach doof. Es wäre immerhin nicht so falsch gewesen, einmal die Initiative zu ergreifen. Aber wie gesagt, die Charaktere haben mich nicht sonderlich angesprochen. Die letzte Szene des Buches ist typisch Hollywood (Was für ein Zufall!) und im richtigen Leben wahrscheinlich nahezu unmöglich, doch sie bildet einen passenden Abschluss und ermöglicht es Honor, ihr Versprechen doch noch einzuhalten. Und das ist schön.

Ich bin ein großer Fan von Roadtrip-Büchern, deshalb habe ich mir auch dieses Buch gekauft. Insgesamt ist „Der Soundtrack meines Lebens“ ein netter Jugendroman allerdings gibt es auch bessere Romane zu diesem Thema.

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