Review | Kendra Elliot - Buried




Reporter Michael Brody is used to getting answers. The one that’s eluded him, though, for twenty long years is learning what happened to his brother Daniel the day his school bus disappeared. When the remains of the other children are discovered - and Daniel’s aren’t among them - a desperate Michael calls upon the sole survivor of the tragedy, Chris Jacobs, hoping he will finally break his silence.

Constant fear of being found by his kidnapper has driven Chris into hiding. The only lead Michael has is Chris’s sister, Jamie. Strong and impenetrable, she’s capable of burrowing deep into Michael’s heart. As they race to find Chris, Michael and Jamie somehow find each other among the decades of wreckage. But locating Chris may not be so easy. Now grown, his scars go far deeper than skin.

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Vor 2o Jahren verschwand ein Schulbus voller Kinder. Nur ein Junge, Chris Jacobs, tauchte zwei Jahre später, schwer misshandelt und halb verhungert, wieder auf. Jetzt werden in einem Massengrab die Überreste der restlichen Kinder samt ihrer Buschauffeurin gefunden. Nur Daniel Brodys Leiche fehlt. Sein Bruder Michael Brody versucht, Chris ausfindig zu machen, um endlich Antworten zu bekommen. Chris hat nach seiner Flucht behauptet, keine Erinnerung an das Geschehene zu haben, doch stimmt das wirklich? Verzweifelt wendet sich Michael an Jamie, Chris jüngere Schwester, die allerdings auch nicht weiß, wo ihr Bruder sich befindet. Er hat sich bereits vor Jahren aus verschiedenen Gründen an einen geheimen Ort zurückgezogen und ist auch für sie nur mittels einer geheimen Telefonnummer erreichbar. Während sich die beiden auf der Suche nach Chris näher kommen,  verfolgt auch der „Geistermann“ einen Plan: Er will Chris nun endgültig zum Schweigen bringen.

Wenn ein Kind verschwindet, hat das natürlich Auswirkungen auf die gesamte Familie: Die Eltern wollen sich nicht mit den Ermittlungen der Polizei zufrieden geben; wollen sich nicht eingestehen, dass ihr Kind vielleicht nie wieder nachhause kommt. Und auch die Geschwister sind involviert; werden zugunsten des Verschwundenen in den Hintergrund gerückt. Während Jamie ihren Bruder - traumatisiert und körperlich gezeichnet - wieder bekommen hat, warten Daniels Eltern noch immer auf ein Wunder. Michael hingegen will Antworten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, welche der zwei Familien das bessere Los gezogen hat. Für beide ist es nie mehr so gewesen wie vor diesem Vorfall.

Buried“ bietet von der ersten Seite an Spannung, die mich, die schon einiges in diese Richtung gelesen hat, endlich mal wieder unruhig werden ließ. Lange Zeit weiß man nicht genau, was damals vor 20 Jahren wirklich geschehen ist und warum. Im Lauf der Geschichte bekommt man allerdings einige Bruchstücke der Vergangenheit serviert und langsam begann ich mich zu fragen, ob ich überhaupt so genau wissen wollte, was mit den Kindern geschehen ist. Ohne explizit ins Detail zu gehen, hat es Kendra Elliot geschafft, mir ein schlimmes Bild von körperlicher und seelischer Folter in einem Erdbunker, Kindesmissbrauch, etc. in den Kopf zu setzen. Außerdem ich wurde das Gefühl nicht los, dass das Verschwinden des Buses kein Zufall war und es einen konkreten Grund für das Geschehene gibt.

Und dann kam gegen Ende hin eine Wende, mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe und auf die meiner Meinung nach gar nichts hingedeutet hat. Solche Kniffe liebe ich. Die Auflösung, wer der sogenannte „Boss“ hinter all dem war, war für mich erschreckend, allerdings nicht unerwartet. Bis dahin hatte ich bereits befürchtet, was sich letztlich bewahrheitet hat: Der Grund, weshalb all die Kinder sterben mussten, ist furchtbar banal, für den Auftraggeber jedoch existenzsichernd.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt: vorwiegend aus Michaels, Jamies, Chris‘ und des „Geistermanns“, wie ihn Chris seit damals nennt. Man erhält aber auch Einblicke in die Arbeit des ermittelnden Detectives. Der häufige Wechsel der Sichtweisen kommt mir aber gerade bei solchen Geschichten mehr als recht, denn ich will so viele Informationen wie möglich erhalten.

Michael und Jamie waren mir von Anfang an sympathisch. Obwohl sie viel durchgemacht und ihre Ängste haben, sind beide stark und mutig. Ihre Romanze war eine schöne Entwicklung, die ich mit Freude mitverfolgt habe, obwohl viele andere Leser diesen Aspekt der Geschichte angesichts der Spannung für überflüssig halten. Doch gerade in so spannungsintensiven Geschichten brauche ich solche liebevollen Momente.  Michael kennt man übrigens bereits aus den vorherigen „Bone Secrets“-Teilen als engen Freund der Forensikerin und Heldin des ersten Bands, Lacey Campbell.

Am meisten fühlte ich mit Chris. Die Angst, die Ungewissheit, die erlebten Qualen, die Narben und anderen körperlichen Verunstaltungen - all das muss schwer auf seiner Seele lasten. Trotzdem hat er etwas gefunden, für das es sich zu leben lohnt; weshalb er all den Aufwand betreibt, um vom „Geistermann“ nicht gefunden zu werden.

Kendra Elliot braucht kein Blut oder detailreiche grausame Einzelheiten, um einen spannenden, rasanten Romantic Thriller zu schreiben. Ihr gelingt es auch so, aus „Buried“ eine intensive, emotionale und dramatische Geschichte zu machen. Obwohl der Fokus mehr auf dem Thriller- als auf dem Romantikteil gelegt wird, ist das Buch allen Genreliebhabern zu empfehlen. 



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